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Strompreise in Deutschland – Historie und aktuelle Entwicklung

Posted by admin on 23.08.2018 12:27:00

Die Entwicklung der Strompreise  und die Marktliberalisierung

Für viele Verbraucher erscheint das Auf und Ab der Strompreise in Deutschland wie reine Willkür. In manchen Jahren sinken die Tarife, häufiger ist das Gegenteil der Fall: ein Anstieg der Stromkosten. Trotz Energiesparmaßnahmen treibt deshalb vielen Verbrauchern die Jahresendabrechnung regelmäßig einen kalten Schauer über den Rücken. Wir erklären Ihnen, wie die Strompreise zustande kommen und welche Tendenz zu erwarten ist.

 

Leuchtende Glühbirne © mmphoto / Fotolia

Die freie Wahl des Stromanbieters ist für uns heute Standard – ähnlich wie die Wahl des Handytarifs oder des DSL-Vertrags. Doch es gab auch eine Zeit, in der Stromverbraucher in Deutschland noch nicht die Qual der Wahl hatten. Vor dem Jahr 1998 waren Kunden an einen festen Anbieter gebunden, der ihnen je nach Wohnort zugeteilt wurde. Wechselmöglichkeit: Fehlanzeige! Als dann 1998 die Liberalisierung des Strommarkts erfolgte, schossen neue Anbieter wie Pilze aus dem Boden. Sie witterten die Chance, sich in einem völlig neuen  Markt erfolgreich zu platzieren. Heute gibt es deutlich mehr als 1000 verschiedene Stromanbieter in Deutschland, zwischen denen sich die Verbraucher entscheiden können. Doch die Entwicklung hat gezeigt, dass die Deutschen speziell in Sachen Strom nicht besonders wechselwillig sind: Rund die Hälfte hat noch nie ihren Stromanbieter gewechselt und wird somit vom Standardversorger beliefert, der in den meisten Fällen die teuerste Lösung darstellt. Und das, obwohl es in Zeiten von Online-Vergleichsportalen und Co für Verbraucher einfacher ist denn je, mit nur wenigen Klicks zu einem günstigeren Anbieter zu wechseln.

Unabhängig von der Zahl der Anbieter sind die Strompreise in den vergangenen 20 Jahren fast stetig angestiegen. Kurz nach der Liberalisierung des Strommarktes war zwischen dem Jahr 1998 und der Jahrtausendwende zwar eine kurzzeitige Senkung der kWh von 17 Cent auf 14 Cent zu verzeichnen. Doch dieser Trend währte nicht lange. Speziell durch die Erhöhung der staatlichen Abgaben auf den Strom ist der Preis heute bei knapp 30 Cent pro kWh angekommen.

 

Welche Faktoren beeinflussen die Strompreisentwicklung?

Laufender Stromzähler © Jürgen Fälchle / Fotolia

 

Ein wesentlicher Faktor für die Preisbildung des Stroms ist die Politik der deutschen Bundesregierung. Die wohl einschneidendste politische Maßnahme der vergangenen Jahre war der Beschluss des Atomausstiegs im Jahr 2011 als Konsequenz der Atomkatastrophe von Fukushima. Um sich schneller von der Atomenergie emanzipieren zu können, wurde die EEG-Umlage vom Staat weiter angehoben. Sie gewährleistet den Erzeugern von Ökostrom aus Biomasse, Sonne, Wind oder Wasser eine Einspeisung ihres Stroms ins Netz. Bezahlt wird die EEG-Umlage auf jede verbrauche kWh von Privathaushalten sowie von Unternehmen bis zu einer bestimmten Größe. Große Unternehmen, die besonders hohe Mengen an Strom abnehmen, bekommen von den Anbietern nicht nur günstigere Stromtarife, sondern können sich darüber hinaus auch noch von der EEG-Umlage befreien lassen. Gewerbetreibende können so einen kWh-Preis zwischen 12 und 14 Cent erzielen und bezahlen somit nicht einmal halb so viel wie Privathaushalte.

 

Entwicklung der Strompreise – wohin geht die Reise?

Auch für die nächsten Jahre wird die Energiewende der entscheidende Treiber für die Entwicklung der Strompreise in Deutschland sein. Bis das erklärte Ziel der Bundesregierung – die Abschaltung aller deutschen Atomkraftwerke – bis zum Jahr 2022 erreicht ist, ist nicht mit einer Preissenkung zu rechnen. Solange der Staat über die EEG-Umlage Erzeuger von Ökostrom subventioniert, die nicht-erneuerbaren Energieerzeuger aber noch am Netz sind, werden die Preise voraussichtlich weiter steigen. Doch das Warten lohnt sich! Ist der Atomausstieg erst einmal abgeschlossen, so werden sich laut Prognosen auch die Stromkosten für Privathaushalte wieder relativieren, denn der aus Wind und Sonne gewonnene Ökostrom ist in der Erzeugung günstiger. Fallen dann noch die laufenden staatlichen Subventionen weg, profitieren auch die Kunden von den günstigeren Preisen des „grünen“ Stroms.

Topics: Stromkosten, Strompreise, Strompreisentwicklung, Stromtarife

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